FÜREINANDER BEWEGEN  im Gespräch

... mit Dr. Sybille Krafft, Vorsitzende des Vereins "Bürger fürs BADEHAUS e.V."

 ... ein neues Leben aufgebaut haben. Diese ganze Entwicklung und die Zeitgeschichte eines so historisch bedeutsamen Ortsteils können unsere Besucher hautnah und multimedial erleben. Eine Besonderheit unseres Museums ist, dass alles auf ehrenamtlichen Füßen steht. Seit über acht Jahren engagieren sich unsere Mitstreiter mit viel Engagement: weit mehr als 20.000 Arbeitsstunden sind bislang in das Projekt geflossen.

 

Eine stolze Zahl! Woher nehmen Sie und ihre Vereinsmitglieder diese Leidenschaft?

Ich glaube, man kann eine so zeitintensive, jahrelange Arbeit nur dann machen, wenn man mit 100-prozentiger Überzeugung dahinter steht, einen langen Atem hat und es schafft, sich immer wieder aufs Neue zu motivieren. Wir schaffen das aus mehreren Gründen. Zum einen schöpfen wir viel Kraft aus dem Wissen, welchen besonderen historischen Schatz wir hier vor der Haustür haben, den wir bergen konnten und den es zu bewahren gilt. Ein weiterer Aspekt ist, dass wir in der glücklichen Lage sind, dass noch zahlreiche Zeitzeugen leben. Das ist ein besonderes Geschenk, mit diesen Menschen sprechen zu können, aus ihrer Erinnerung zu lernen und wirklich authentische Berichte über die Historie zu erfahren. Ein dritter, wichtiger Grund für die ständige Motivation ist die Riege an jungen Menschen, die sich für das Projekt begeistern. Wir haben viele junge Erwachsene, die als Bufdis, im Vorstand oder bei Veranstaltungen mithelfen und so den Stab der Erinnerung übernehmen und an die junge Generation weitergeben, was von Anfang an der große Wunsch des Vereins war. Die genannten Gründe sind vermutlich die wichtigsten Motivationsquellen. Ein bisschen verrückt muss man aber trotzdem sein, glaube ich.

Die Corona-Krise hat viele Unternehmen und gerade auch Museen getroffen. Wie ist es Ihnen ergangen?

Natürlich ging es uns da überhaupt nicht besser als vielen anderen. Wir haben grob überschlagen 15.000 Euro in den drei Monaten der Komplett-Schließung verloren. Keine Eintrittsgelder, keine bezahlten Führungen und auch keine Spenden oder Benefizveranstaltungen: Die wichtigsten Einnahmequellen des Vereins sind versiegt. In der Regel besuchen uns viele Menschen, die danach so begeistert sind, dass sie zusätzlich zum Eintritt noch einen Geldbetrag spenden möchten. Wir finanzieren uns - neben Mitgliedsbeiträgen und einzelnen Projektförderungen - hauptsächlich so. Für den Verein ist das ein riesiges Defizit.

Museen dürfen in Bayern seit einigen Wochen wieder öffnen. Wie läuft es im BADEHAUS?

Wir haben seit zwei Wochen an Samstagen und Sonntagen geöffnet und bieten Führungen an. Leider können daran nur jeweils höchstens zehn Personen, also eine äußerst überschaubare Zahl, teilnehmen. Schulbesuche, die sonst auch eine wesentliche Einnahmequelle und eine schöne Erfahrung für unser Museum sind, wurden komplett gestrichen und es ist noch überhaupt nicht absehbar, wann das wieder möglich sein wird. Wir haben an den ersten beiden Wochenenden zusammengerechnet rund 50 Besucher begrüßen dürfen. Vor der Corona-Pandemie hatten wir einen richtig guten Fluss mit inzwischen mehr als 6100 Besuchern. Da wurden wir ziemlich jäh ausgebremst.

Wie möchten Sie das Geld nutzen, das über den Spendenlauf zusammenkommt?

Wir planen, diese Mittel in die Arbeit mit Zeitzeugen zu investieren. Wir haben bereits weit über 30 Interviews aufgenommen, aber wir wollen diesen Schatz gerne noch ausweiten und an die nächsten Generationen weitergeben.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Dr. Krafft!
Wir wünschen Ihnen und dem Erinnerungsort BADEHAUS weiterhin viel Erfolg und eine hohe Spendensumme!