FÜREINANDER BEWEGEN  im Gespräch

... mit Kerstin Vetter, Vorsitzende des Vereins "KLECKS - Schule der Phantasie e.V."

 ... eigene Lösungsstrategien finden und so praktische und kognitive Fähigkeiten damit verbinden. Daher ist es wichtig, dass in unserer Werkstatt möglichst jede kreative Idee umsetzbar ist, dass man auch viel „cross-over“ experimentieren kann. Wir möchten den Kurskindern, Jugendlichen und Erwachsenen möglichst alle gestalterischen Mittel zur Verfügung stellen und verschiedenste Techniken vermitteln: Malerei, Zeichnen, Drucken, Bildhauerei – zum Beispiel Stein, Ton, Metall, Holz und anderen - Textilkunst, Schreinerei, Film, Fotografie, Architektur, Kunsthandwerk, Kunstgeschichte und zeitgenössische Kunst – alles in Zusammenarbeit mit pädagogisch erfahrenen Künstlern und Kursleitern in kleinen Gruppen.

 

Viele Unternehmen hat die Corona-Krise heftig getroffen. Wie ist es Ihrer Schule ergangen?

Wir haben schon in der ersten Woche des Lockdowns ein Ersatzprogramm speziell für die Kursteilnehmer/innen geschaffen, die während eines Kursjahres von Oktober bis Juli regelmäßig jede Woche an unseren Angeboten teilnehmen: Wir haben Zoom-Onlinekurse für alle Gruppen mit deren Kursleitern angeboten. Einige Kursleiter haben auch Videos (Porträt, Schnitzen, Holzideen etc.) gedreht und über YouTube bereitgestellt. Mit der Zeit haben wir in unseren 25 Gruppen sogar beides parallel angeboten: wöchentliche Zoom-Sitzungen und Materialtüten, die abgeholt oder vorbeigebracht wurden. Wir haben alles nur Mögliche getan, damit wir weiter ein hohes Niveau halten und nicht nur, wie andere Einrichtungen, Link-Listen zu Ideen auf Facebook, Instagram oder Pinterest zu versenden. Neben dem digitalen Unterricht haben wir den Kindern also auch wirklich echtes Werk-Material an die Hand gegeben, damit sie sich trotz Isolation in der „Corona-Krise" kreativ ausleben können. Nun enden die wöchentlichen Gruppen im Juli und im Oktober beginnt ein neues Kursjahr. Dann hoffen wir, dass sich die Kurse trotz so einiger, zu erwartender finanzieller Schwierigkeiten in manchen Familien wieder füllen. Natürlich müssen wir mit unseren Einnahmen weiterhin unsere Fixkosten wie Miete, Personalkosten oder Versicherungen aufbringen.

 

Ganz leicht dürfte das Corona-bedingt nicht fallen. Auf welche Angebote mussten sie verzichten?

Neben den wöchentlichen Gruppen, für die wir flexibel reagiert haben und Ersatzprogramme auf die Beine gestellt haben, gibt es leider auch viele Angebote, die ersatzlos ausfallen mussten. So mussten wir drei Projektwochen mit verschiedenen Grundschulen absagen. Die „offene Werkstatt“ am Samstag Vormittag war plötzlich nicht mehr möglich. Normalerweise können hier immer viele Kinder ohne Anmeldung für sechs Euro werken, töpfern und malen. Auch sämtliche Workshops am Wochenende fielen aus, darunter auch die vielen kreativen Kindergeburtstage, die einen sehr großen Teil unserer Einkünfte ausmachen. Vor allem aber gab es in den Osterferien keine Kurse mehr. Unsere „Wundertütenaktion“  in der ersten Osterferienwoche, in der wir unsere „besten“ Ideen in Form von „Kunst-to-go“-Tüten mit Idee, Anleitung und entsprechendem Material, gegen einen kleinen Preis zwischen drei und neun Euro, verkauft haben, war zwar durchaus ein großer Erfolg, finanziell war diese Aktion aber natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein für das, was wir wirklich an finanziellen Einbußen durch die Corona-Krise haben. In den Pfingstferien durften wir ja wieder Kurse geben, hatten aber erst einen Tag vor Beginn der Ferien dazu die Erlaubnis, womit wir natürlich viele Kurse nicht mehr ausreichend bewerben und füllen konnten.

 

Wie läuft der Betrieb momentan?

Seit Anfang Juni ist unsere Einrichtung mit einem sehr aufwendigen Hygienekonzept wieder geöffnet worden, doch auch die Hygienevorschriften erfordern Neuanschaffungen: Alles rund um Desinfektion, zusätzliche Reinigungskraft, Visiere für Kursleiter, zum Teil kleinere Gruppenstärken bei gleichen Preisen. Wir wollen nun auch zur Sicherheit für das Team und die Teilnehmer/innen bei schönem Wetter möglichst immer im Freien arbeiten und haben dafür neue Investitionen getätigt: Zwei große Partyzelte im Hof und neue Werktische für draußen zum Beispiel. Gruppenarbeit ist ja nun vorerst nicht erlaubt, das heißt alle arbeiten an vielen Einzeltischen und immer mit genügend Abstand untereinander. Die größeren Kinder sind das neue Procedere vom normalen Schulbetrieb schon gewohnt, erst Hände waschen, dann an einen Platz setzen, am Platz erst die Maske abnehmen und keine Materialien untereinander austauschen. Aber alle sind froh, dass es endlich wieder überhaupt weitergehen kann, denn „live“ zu werkeln und vor allem endlich wieder in einer Gemeinschaft zu sein, ist jedem abgegangen. Damit unsere Angebote weiterhin für alle Familien bezahlbar bleiben, möchten wir trotz dieser Mehraufwände unsere Preise nicht erhöhen. Wir hoffen nun sehr, dass unser Team und jeder der 190 Gruppenteilnehmer auch weiterhin gesund bleiben. Eine zweite Corona-Welle wäre auch für unseren gemeinnützigen Verein, der in hohem Maße auf Spenden angewiesen ist und selbst keinen Kredit aufnehmen darf, eine immense existenzielle Bedrohung.

 

Wissen Sie schon, was Sie mit den Spendengeldern des Laufs machen wollen?

Trotz der angespannten Situation möchten wir für alle Familien weiterhin ein wichtiges, soziales und kulturelles Element in Wolfratshausen und Umgebung bleiben. Vor allem unsere sozialen Angebote wollen wir damit aufrechterhalten.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Vetter!
Wir wünschen Ihnen und KLECKS - Schule der Phantasie e.V. weiterhin viel Erfolg und eine hohe Spendensumme!